24. September 2014 - 30. Dezember 2014
Großstadtmenschen - Andreas Zahlaus
Beschreibung:

Wie hin getuscht wirken die satten schwarzen Linien auf sandfarbenem Hintergrund. Dann formen sich die Linien zu grazilen Gestalten, gerade so umrissen, dass ein menschlicher Körper erahnt werden kann. Eingefroren im Ausdruck des Moments drehen sich einzelne Figuren in einer Pirouette oder schleichen geheimnisvoll, manchmal grotesk wie auf Spinnenbeinen tänzelnd oder mit weit ausgebreiteten Armen vorsichtig balancierend, wie um einen Sturz abzuwehren.

„Stadtmelancholiker“ und „EndeAnfangEnde“ titelt der seit 1984 als Maler und Bildhauer anerkannte und mit zahlreichen Preisen und Stipendien ausgezeichnete Künstler Andreas Zahlaus seine kleinformatigen Kaltnadelradierungen. Am 24. September 2014 eröffnete die FLEXIM-Galerie eine neue Ausstellung mit einer kleinen Auswahl seiner grafischen Arbeiten, in denen er den unverwechselbaren Ausdruck einer Szene, Stimmung oder Pose ins Bildnerische übersetzt. Hier beweist Andreas Zahlaus eine weitere Facette seines künstlerischen Könnens. Die einfarbig schwarzen Kaltnadelradierungen auf naturfarbenem handgeschöpftem Kupferdruckpapier drücken in kräftigen einfachen Strichen die Befindlichkeiten einer menschlichen Abstraktion aus. Jeder Strich muss sitzen, denn im Nachhinein ist keine Änderung mehr möglich. Jede Linie wird unveränderbar mit einem Messer in die Platte eingeritzt, mal fest und breit tiefschwarz gründend oder leicht und fein straffiert, doch immer voller Dynamik.

Das Herzstück der Ausstellung bilden drei großformatige Ölgemälde in kräftig leuchtenden Farben mit der unverwechselbar prägnanten Bildschrift des Künstlers. Eine Explosion von Farben und Formen sprengt beinahe das Format von 180 mal 100. Linien, Bögen und Punkte kraftvoller Pinselspuren hinterlassen ein räumlich heraustretendes Muster, das den Blick bannt und allmählich Figuren und Situationen erkennen lässt, festgehalten in beinahe tragisch komischen Momentaufnahmen. Anders als beim Zyklus „Hermes in der Stadt“, der vor zwei Jahren in der FLEXIM Galerie zu sehen war, setzt sich Andreas Zahlaus heute weniger mit den räumlichen sondern nachdrücklich mit den seelischen Strukturen der rasant wachsenden Großstadt Berlin auseinander. Der an den Kunsthochschulen von Halle und Weißensee ausgebildete Künstler konzentriert sich auf das gesellschaftliche Miteinander der Menschen in der Metropole. Er enthüllt ihre aussichtslosen Versuche, sich in der Anonymität flüchtiger Episoden zu verstecken, die nur scheinbar spurlos und unbeobachtet bleiben.

Die Begegnung von Frau und Mann an einer Straßenkreuzung. Beide drehen kurz den Kopf in angedeutetem Augenspiel, doch jeder bleibt in seiner eigenen Welt gefangen. Ein flüchtiger Moment der Attraktivität, verbunden durch rote Farbwinke und schon wird aus dem Erlebnis ein „Weggehen“ und „Wegschauen“. Beinahe roboterähnlich, den angedeuteten Mund zu einen stummen Schrei geöffnet, bewegt sich die Figur in „Stress“, attackiert von Eindrücken, zwischenmenschlichen Begegnungen, Entscheidungsmöglichkeiten und Grenzen. Ruhige Blautöne werden gespalten von giftigem Grün, umhüllt von grellem Orange, durchdringend leuchtendem Rot und zitronig saurem Gelb. Auf die Leinwand aufgebrachtes taiwanesisches Seidenpapier oder auch Schnittmusterbögen verstärken den plastischen Eindruck. Die Farben perlen ab und hinterlassen zarte transparente und trotzdem unauslöschliche Spuren. Sie bilden einen ruhigen und gleichzeitig belebenden Kontrast zu den dynamisch klaren Farben und fangen die Aufmerksamkeit des Blicks, der eintauchen will, um mehr von dem Dahinter zu erfahren.

Text: Sigrid Fontana
Ort:
FLEXIM-Galerie
14.06.2013 VERNISSAGE
BERLIN. VERWISCHE DIE SPUREN! NICHT!
Beschreibung:
Eröffnung: Freitag, 14. Juni 2013, 19:00 - 21:30 Uhr
Ausstellungsdauer: 14.06. - 13.07.2013 Malerei, Plastiken und Radierungen


Pressemitteilung der Galerie: Mit den neuesten Arbeiten betritt Andreas Zahlaus die Ich-Welt Berlins. Er wird selbst Teil der Stadt und füllt sie im besten und schlechtesten Sinne. Trudelt in ihr, versinkt, findet neue Anker und lebt mit ihr, allein, mit allen, allen Menschen, allen Sinnen. Die großformatigen Triptychen „Der Tag“ und „Die Nacht“ stehen im Zentrum der Arbeit Andreas Zahlaus, der mit Leinwand, Öl und Seidenpapier, Schichten von Fragen an die Metropole spielt. Gezeigt werden darüber hinaus Plastiken und Kaltnadelradierungen zum Thema.
Ort:
maier contemporary art, Stindestr. 18, 12167 Berlin
 
 
 
 
 
 
 
Impressum